Epiktet

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Nicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen und Vorstellungen über die Dinge.

 

Wer also frei sein will, der darf nicht etwas erstreben oder vermeiden wollen, was in der Macht eines anderen steht. Sonst wird er unweigerlich dessen Sklave.

 

Stelle endlich für dein Wesen ein festes Gepräge, ein bestimmtes Ideal auf, wonach du dich richtest, wenn du mit dir allein bist oder unter Menschen gehst.

 

Nenne dich niemals einen Philosophen, sprich auch nicht viel unter den Leuten über philosophische Anschauungen, sondern handle danach.

 

Obgleich wir die Möglichkeit besitzen, uns nur um ein Gebiet zu kümmern und unser Glück auf einen einzigen Grund zu bauen, wollen wir uns lieber um vielerlei Dinge bekümmern und an vieles gebunden sein, an unseren Körper, an äußeren Besitz, an Bruder, Freund, Kind und Sklaven. Da wir an so viele Dinge gekettet sind, werden wir von ihnen beschwert und niedergezogen ... Wir müssen die Dinge, die in unserer Macht stehen, möglichst gut einrichten, alles andere aber so nehmen, wie es kommt.

 

Züchtige deine Leidenschaften, damit du nicht von ihnen gezüchtigt wirst!

 

Wird doch die wahre Freiheit nicht durch Befriedigung der Begierden gewonnen, sondern durch Ausrottung der Begierden.

 

Man muß wissen, daß es für den Menschen nicht leicht ist, sich einen Grundsatz zu eigen zu machen, wenn er nicht Tag für Tag dasselbe spricht und hört und zugleich dementsprechend handelt.

 

Bedenke, was du bist: Vor allem ein Mensch, das bedeutet ein Wesen, das keine wesentlichere Aufgabe hat als seinen freien Willen.

 

Reden wir etwa sonderbares Zeug, wenn wir behaupten, daß der Schaden eines jeden Wesens in dem besteht, was wider seine Natur geht?

 

Wie die Sonne nicht auf Lob und Bitten wartet, um aufzugehen, sondern eben leuchtet und von der ganzen Welt begrüßt wird, so darfst auch du weder Schmeichelei noch Beifall brauchen, um Gutes zu tun. Aus dir selbst heraus mußt du es tun: Dann wirst du wie die Sonne geliebt werden.

 

Das Verhalten und das Kennzeichen des Ungebildeten ist, keinen Nutzen oder Schaden von sich selber zu erwarten, sondern alles von außen.

 

Wir sollten alles gleichermaßen vorsichtig wie auch zuversichtlich angehen.

 

Der Mensch hat zwei Ohren und eine Zunge, damit er doppelt so viel hören kann, wie er spricht.

 

Habe täglich den Tod vor Augen; das wird dich vor kleinlichen Gedanken und vor maßlosen Begierden bewahren.

 

Mit Würde leben und mit Aufwand leben ist nicht das nämliche. Ersteres wird durch Enthaltsamkeit, Genügsamkeit, durch geordnetes Wesen und durch Wohlverhalten, sowie durch Einfachheit erzielt; letzteres erscheint im Geleit von Zuchtlosigkeit, Üppigkeit, Unordnung und Sittenlosigkeit.

 

Das Kleinlichste auf Erden ist Habsucht, Vergnügungssucht und Großsprecherei, – das Größte: Großmut, Sanftmut, Wohltätigkeit.

 

Einen Zustand, den du nicht erleiden willst, rufe auch nicht bei anderen hervor. Lässest du dich von Sklaven bedienen, so wirst du selbst sklavisch erscheinen. Wie Laster und Tugend nichts gemein haben, also auch nicht Freiheit und Sklaverei.

 

Wenn du etwas nach bestimmter Überzeugung, daß es getan werden müsse, tust, so scheue dich nicht, es öffentlich zu tun, wenn auch die Menge (das Publikum) darüber ganz anders denkt. Denn handelst du nicht recht, so scheue die Tat; handelst du aber recht, was scheust du denn die, welche dich mit Unrecht tadeln?

 

Zwei Gäste sind es, die du stets bewirtest: deinen Leib und deine Seele. Was du dem Leib bietest, gibst du bald wieder her. Was du aber der Seele bietest, behältst du für immer.

 

Willst du im Gespräch jemandem eine Wahrheit mitteilen, so ist die Hauptsache dabei, nicht wütend zu werden und kein böses oder beleidigendes Wort zu sagen.

 

Benimm dich im Leben wie bei einem Gastmahl.

Eine Speise wird herumgetragen und gelangt zu dir: Du langst dir zu und nimmst mit Anstand davon.

Sie wird vorübergetragen: Du hältst sie nicht zurück.

Sie ist noch nicht an dich gekommen: Du unterdrückst dein Verlangen und wartest ruhig, bis sie an dich kommt.

So mach' es deinen Kindern, deinem Weibe, Ehrenstellen und Reichtümern gegenüber, und du wirst ein würdiger Tischgenosse der Götter sein.

 

Sei nicht feiger als die Kinder! Wenn es dir angezeigt erscheint, sage: "Ich spiele nicht mehr mit."

 

Wenn du Weisheit lernen willst, so mußt du darauf gefaßt sein, daß man dich auslachen wird, und daß viele spottend sagen werden: »Der kommt ja plötzlich als ein Philosoph daher; warum für uns (die wir ihn doch von Jugend auf kennen) die hohen Augenbrauen?«

Mache du überhaupt keine stolze Miene; halte aber an dem, was du als das Beste erkannt hast, so fest, als ob du von Gott auf diesen Posten kommandiert seiest, und glaube, daß, wenn du fest auf demselben beharrst, die, welche dich früher verlachten, dich später bewundern werden. Gibst du ihnen aber nach, so werden sie dich doppelt verlachen.

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