Demokrit

ca. 460 - 370 v. Chr.

Der Mensch ist ein Kosmos im Kleinen.

 

Knaben-, nicht Mannesart ist es, maßlos zu begehren. Schön ist bei allem die rechte Mitte. Übermaß und Untermaß mag ich nicht.

 

Einen üppigen Tisch stellt das Glück hin, einen ausreichenden die Mäßigkeit. Wenn einer das Maß überschreitet, wird das Erfreulichste zum Unerfreulichen. Übermäßiges Verlangen macht die Seele blind für alles andere.

 

Mit dem Gelüste ist schwer streiten; es zu bändigen, erfordert einen wohlbedachten Mann.

 

Es ist etwas Großes, wenn man im Unglück die Gesinnung bewahrt, die der sittlichen Pflicht entspricht.

 

Der Mensch, der stets der Macht des Geldes unterliegt, kann niemals gerecht sein.

 

Das Wort ist nur der Schatten der Tat.

 

Dem weisen Mann steht die ganze Erde offen. Ist doch Vaterland einer edlen Seele der gesamte Kosmos.

 

Wer das Gute sucht, der findet es nur mit Mühe; das Schlechte aber begegnet einem, auch wenn man es nicht sucht.

 

Ob jemand sich bewährt, hängt nicht nur von seinem Tun, sondern auch von seinen Absichten ab.

 

Von ehrlosen Handlungen muß man auch das Reden meiden.

 

Des Vaters Selbstbeherrschung ist für die Kinder die stärkste Mahnung.

 

Sei nicht allzu süß, damit du nicht verschlungen wirst, und nicht allzu bitter, damit du nicht ausgespieen wirst.

 

Hochsinnig ist es, die Fehler anderer mit Sanftmut zu ertragen.

 

Von Natur aus ist Arzt, wer andere erheitern kann.

 

Weder Gesundheit noch Geld macht den Menschen glücklich, sondern rechtschaffene Gesinnung und vielseitige Begabung.

 

Heftiges Streben nach einem Ziel macht die Seele für anderes blind.

 

Als Menschen steht es uns an, menschliches Unglück nicht zu verlachen, sondern zu beklagen.

 

Es gibt ja wohl auch Verstand bei der Jugend und Unverstand beim Alter; denn nicht die Zeit lehrt Besonnenheit, sondern früh einsetzende Unterweisung in Verbindung mit natürlicher Begabung.

 

Lust und Unlust ist die Grenzbestimmung des Zuträglichen und Abträglichen.

 

[Demokrit zielte mit seiner Lehre und seinen Aussprüchen auf, die Seele in eine heitere, gleichmütige Stimmung zu versetzen, die er Euthymia (griech. ευθυμία, Wohlgemutheit) nannte und als höchstes Gut ansah.]

Exkurs: Rudolf Steiner über die Lehre von Demokrit

Bei Demokrit sind die Homoiomerien des Anaxagoras um einen bedeutenden Grad stofflicher geworden. Bei Anaxagoras kann man die Ur-Teil-Wesen noch mit lebendigen Keimen vergleichen; bei Demokrit werden sie zu toten, unteilbaren Stoffteilchen, welche durch ihre verschiedenen Kombinationen die Dinge der Außenwelt zusammensetzen. Sie bewegen sich voneinander, zueinander, durcheinander: so entstehen die Naturvorgänge. - Der Weltverstand (Nus) des Anaxagoras, welcher wie ein geistiges (körperloses) Bewußtsein in zweckvoller Art die Weltenvorgänge aus dem Zusammenwirken der Homoiomerien hervorgehen läßt, wird bei Demokrit zur bewußtlosen Naturgesetzmäßigkeit (Ananke). - Die Seele will nur gelten lassen, was sie als nächstliegendes Gedankenergebnis erfassen kann; die Natur ist völlig entseelt; der Gedanke verblaßt als Seelen-Erlebnis zum inneren Schattenbilde der entseelten Natur. Damit ist durch Demokrit das gedankliche Urbild aller mehr oder weniger materialistisch gefärbten Weltanschauungen der Folgezeit in die Erscheinung getreten.

 

Die Atomen-Welt des Demokrit stellt eine Außenwelt, eine Natur dar, in welcher nichts von «Seele» lebt. Die Gedanken-Erlebnisse in der Seele, durch deren Geburt die Menschenseele auf sich selbst aufmerksam geworden ist: bei Demokrit sind sie bloße Schatten-Erlebnisse. Damit ist ein Teil des Schicksals der Gedanken-Erlebnisse gekennzeichnet. Sie bringen die Menschenseele zum Bewußtsein ihres eigenen Wesens, aber sie erfüllen sie zugleich mit Ungewißheit über sich selbst. Die Seele erlebt sich durch den Gedanken in sich selbst, aber sie kann sich zugleich losgerissen fühlen von der geistigen, von ihr unabhängigen Weltmacht, die ihr Sicherheit und inneren Halt gibt." (Lit.: GA 018, S. 61f)

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