Einleitung

„Wenn man sich vor Augen hält, in welchem Maße das Lesen von Büchern zur Bildung und zur Entwicklung des logischen Denkens beiträgt, muss man der Leseerziehung eine ganz neue Bedeutung zumessen. […] Damit berühren wir die entscheidende Existenzfrage für die Zukunft des Buches: Wie weit kann die Leseerziehung in den Volks- und Grundschulen, in den Mittelschulen und auf den Gymnasien verbessert werden und intensiviert werden, damit die Bedeutung von Büchern überhaupt erkannt wird?“1 (Klaus G. Saur, 2011)

 

Für den deutschen Verleger Klaus G. Saur ist die Leseerziehung, die Vermittlung von Textrezeption und -produktion, entscheidend für die Existenz des Buches. Seine Aussage impliziert: Sollte die Leseerziehung nicht verbessert und intensiviert werden, dann ist die Zukunft des Buches bedroht. Die Frage, die sich daran anschließt: Wird heute, besonders unter jungen Heranwachsenden im Alter von 12-19 Jahren, weniger gelesen als früher? Das Zitat stammt aus dem Jahr 2011, einem Zeitpunkt, zu dem sich das Mediennutzungsverhalten von jungen Heranwachsenden im Alter von 12-19 Jahren in wenigen Jahren grundlegend verändert hat. Computer und Internet etablierten sich seit der Jahrhundertwende: So haben seit 2003 die meisten Jugendlichen einen eigenen PC oder Laptop – mit eigenem Internetzugang allerdings erst ab dem Jahr 2008. Die Einführung des Smartphones sorgte für einen weiteren Wandel: War bis 2006 die Internetnutzung ausschließlich über Computer möglich, nutzten bereits 2013 73 Prozent der 12- bis 19-Jährigen das Smartphone um online zu gehen.2 Heute sind Handy und Internet die beiden am häufigsten genutzten Medien in der Freizeitgestaltung von Jugendlichen.3 Sorgen diese beiden Medien nun dafür, dass weniger Bücher gelesen werden? Die JIM-Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbandes Südwest zeigen, dass zur Ersterhebung 1998 nicht mehr gedruckte Bücher gelesen wurden als heute, obwohl damals Handy und Internet in der Medienrezeption Jugendlicher noch keine Rolle spielten.4 Der Anteil Jugendlicher, die in ihrer Freizeit mehrmals pro Woche gedruckte Bücher zum Vergnügen lesen, pendelt seit beinahe 20 Jahren konstant um die 40-Prozent-Marke.5 Trotz erheblichem Mediennutzungswandel, wird das Buch also nicht seltener genutzt, als vor der Etablierung digitaler Medien. Jedoch zeigt die Studie auch, dass 18 Prozent der Jugendlichen nie, 26 Prozent nur einmal pro Monat oder seltener, gedruckte Bücher lesen.6 Die Frage ist also nicht, wie das Bücherlesen von Jugendlichen erhöht werden kann, sondern wie auch die Gruppen erreicht werden können, die in ihrer Freizeit bisher kaum Bücher lesen.

 

Für den zweiten Teil der forschungsleitenden Frage ist zusätzlich die Perspektive der Unternehmen wichtig. Laut Umfragen des Deutschen Industrie- und Handelskammertag e. V. (DIHK) stellen 91 Prozent der Unternehmen Mängel bei der Ausbildungsreife der Ausbildungsplatzbewerber fest.7 Neben Defiziten in Fertigkeiten, die in klassischen Schulfächern unterrichtet werden, wie mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen sowie Rechenfähigkeiten, werden vor allem Defizite in den persönlichen und sozialen Kompetenzen vieler Jugendlicher genannt. Bei den nur gering differenziert untersuchten Kompetenzen, zeigen sich besonders bei den leistungsorientierten, wie Einsatzbereitschaft und Motivation, aber auch z. B. bei Interesse und Aufgeschlossenheit, neue Tiefstände.8 Die Bedeutung dieser Kompetenzen unterstreicht eine vergleichbare Studie der DIHK für Hochschulabsolventen. Die Zufriedenheit der Unternehmen mit Bachelor-Absolventen, betrug 2011 noch 63 Prozent – in 2015 erfüllen gerade noch knapp die Hälfte (47 Prozent) die Erwartungen der Unternehmen.9 Neben der geringen Anwendungsorientierung der Studieninhalte, sind besonders mangelnde Schlüsselkompetenzen ausschlaggebend: „Zu den wichtigsten Kompetenzen, die Unternehmen von Bachelor-Absolventen erwarten, zählen Teamfähigkeit, selbständiges Arbeiten sowie Einsatzbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit. Damit stehen vor allem soziale Kompetenzen ganz oben auf der 'Wunschliste' der Firmenvertreter.“10 Ein Interesse an der Ausbildungs- und Berufsfähigkeit besteht nicht nur seitens der Unternehmen. Auch die Heranwachsenden selbst interessieren sich für ihre Zukunftsplanung: 53 Prozent der 12-15-Jährigen und 65 Prozent der 16-19-Jährigen möchten in den Medien über Themen, die Ausbildung und Beruf betreffen, informiert werden. Damit liegen Ausbildung und Beruf an dritter Stelle von insgesamt siebzehn Themen.11

 

1 Saur 2011, S. 283-284.

2 Vgl. Hajok 2013, S. 11.

3 Vgl. JIM-Studie 2017, S. 15.

4 Vgl. JIM-Studie 1998, S. 9.

5 Vgl. JIM-Studie 2017, S. 19.

6 ebd., S. 20.

7 Vgl. DIHK Ausbildungsumfrage 2017, S. 18.

8 Vgl. DIHK Ausbildungsumfrage 2018, S. 20-21.

9 Vgl. DIHK Umfrage Hochschulabsolventen 2015, S. 2.

10 ebd., S. 3.

11 Vgl. Jünger, in: Schorb 2013, S. 27.

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